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24. Oktober 2012

Bilder vom Ersten Ostdeutschen Journalistentag in Berlin 2012

Fotos: Simone Ahrend - sah-photos (36), Norbert Kesten - Shamrockmedia (2)

11. Oktober 2012Ostdeutscher Journalistentag

Slideshow-Eindrücke von der Tagung

Flash ist Pflicht!

7. Oktober 2012Ostdeutscher Journalistentag

"Um 18 Uhr kommen die Nazis"

Seidel, Froitzheim, Borgmann, Roewer, Hemmerling, Fischer. Foto: Simone Ahrend, Sah Photo

Auf dem Ersten Ostdeutschen Journalistentag diskutierten Journalisten aus Ostdeutschland und der ehemalige Verfassungsschutz-Präsident von Thüringen über das Staatsversagen vor dem braunen Sumpf und die Berichterstattung über Rechtsextremismus.


Von Jan Söfjer

„Hier können Sie aber nicht sitzen bleiben. Um 18 Uhr kommen die Nazis.“ Achim Froitzheim, Pressesprecher des Landkreises Vorpommern-Greifswald, hörte diese Worte von einer alten Frau, als er 2004 in Bremerhaven in der Abendsonne an einem Brunnen saß. „Gut vernetzte Neonazis gibt es nicht nur im Osten Deutschlands“, sagte Froitzheim, der gestern auf dem Ersten Ostdeutschen Journalistentag mit Kollegen zum Thema „Staatsversagen vor dem braunen Sumpf: Berichten oder ignorieren? Müssen Medien den Rechtsextremismus stärker fokussieren?“ diskutierte.


Michael Seidel, Chefredakteur des Nordkurier, sagte: „Wir sind lange unbeholfen mit dem Thema Rechtsextremismus umgegangen.“ Heute haben sie in der Redaktion einen Leitfaden für diese Berichterstattung. Seidel sagt: „Wir geben den Nazis kein Podium. Wir berichten über das Umfeld, Gegen-Demonstrationen, aber auch über mangelnde Proteste.“ Entscheidend sei vor allem Haltung und gute, saubere Recherche. Sonst laufe man Gefahr sich als Journalist oder Redaktion angreifbar zu machen.


Aber was, wenn die eigene Redaktion kein Interesse an kritischer Berichterstattung über Rechtsextremismus hat? Der Moderator Reinhard Borgmann, Redaktionsleiter der rbb-Sendung Kontraste, fragte, ob einem aus der Runde schon einmal wegen solcher Berichterstattung vorgeworfen wurde, ein Nestbeschmutzer zu sein und solche Themaen nur aufzubauschen? Axel Hemmerling, freier Journalist beim MDR, sagte: „Das hörte ich noch zwei Wochen bevor die Machenschaften des Nationalsozialistischen Untergrundes aufflogen.“


Mit auf dem dem Podium saß auch Hartmut Roewer, Präsident des Landesverfassungsschutzes in Thüringen von 1994 bis 2000. Während seiner Dienstzeit radikalisierte sich die Zwickauer Terrorzelle um Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe und verschwand 1998 im Untergrund.


Roewer versuchte das Versagen des Verfassungsschutzes in der Zeit zu erklären. Er sagte, der Verfassungsschutz sei auf die Polizei angewiesen. Als Roewer jedoch nach Thüringen kam, sei er auf eine unfassbare Situation bei der Polizei gestoßen. „Die alten DDR- und nun BRD-Polizisten mussten Recht durchsetzen, dass sie gar nicht kannten. Sie hatten vor allem im Sinn, sich in die neue Zeit zu retten, bereinigten ihre Personalakten und wollten nicht auffallen. Ein Polizist jedoch, der nicht auffallen möchte, macht am besten gar nichts. Dieser Zustand herrschte jahrelang.“ Roewer sagte: „Ich kam mir vor, wie ein einsamer Rufer in der Wüste.“


Damals nach der Wende nutzten Rechtsradikale aus ganz Deutschland die Möglichkeit, in den neuen Bundesländern ihre Gesinnung austoben zu können, ohne groß die Polizei fürchten zu müssen. Benjamin Fischer, Mitglied der Chefredaktion der Ostsee-Zeitung, sagte allerdings: „Es gibt auch heute noch eine Zuzugswelle von Nazis aus Deutschland, die im Osten auf dem Land Rechte Communities gründen.“ Ob der Verfassungsschutz diese im Blick hat, ist unklar. Achim Froitzheim hat jedenfalls als Bürger Zweifel, in welche Hände diese Aufgabe gelegt wurde. Michael Seidel vom Nordkurier spricht gar nicht mehr mit dem Verfassungsschutz. „Wir setzen auf Beobachter aus der Region.“

7. Oktober 2012Ostdeutscher Journalistentag

"Journalisten werden davon nichts haben"

Hentzsch, Dockhorn, Pöppelmann, Fritsch, Bremer, Kramm. Foto: Simone Ahrend, Sah Photo

Verlage nutzen Inhalte von Journalisten in immer größerem Umfang. Oft jedoch ohne das extra zu vergüten. Auch von den Erlösen des geplanten Leistungsschutzrechts wird vermutlich wenig bis gar nichts bei den Journalisten ankommen. Auch auf dem Ostdeutschen Journalistentag wurde über das Urheberrecht gesprochen.

„Die Texte von Journalisten werden immer weiter verbreitet. Doch am Ende des Tages kommt bei den Urhebern nichts an. Wir Journalisten müssen noch viel kämpferischer sein“, sagte Katharina Dockhorn, freie Journalistin und Fachausschuss-Vorsitzende Freie des DJV Berlin, auf dem Ersten Ostdeutschen Journalistentag. Das Thema der der vom JVBB-Vorsitzenden Alexander Fritsch moderierten Runde war „Gratiskultur gegen geltendes Recht – Warum verfällt der Schutzwert von Urheberrechten?“


Auch Benno Pöppelmann, DJV-Justiziar, sagte: „Die Verlage nehmen sich Rechte in umfänglichen Paketen ohne das extra zu vergüten.“ Dr. Christian-Henner Hentsch, Leiter des Schwerpunkts Urheberrecht an der Kölner Forschungsstelle für Medienrecht, und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Büro des CDU-Bundestagsmitglieds Günter Krings, sagte: „Letztendlich können die Verlage nur soviel zahlen wie sie einnehmen. Ich rede nicht von Springer, sondern von kleinen Verlagen im ländlichen Raum.“


Dr. Ralf Bremer, Pressesprecher von Google, sagte: „Das geplante Leistungsschutzrecht ist ein schwammiges Gebilde, dass möglicherweise ein paar großen Verlagen helfen wird. Journalisten werden jedoch nichts davon haben.“

Bruno Kramm, Urheberrechtsbeauftragter bei den Piraten, ergänzte: „Die Aufgabe der Verlegers ist es, wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Das wesentliche ist, das Kultur zuerst zirkulieren muss, dann kann man über ein Honorierungssystem nachdenken.“


Pöppelmann war da skeptisch. Er sagte, Urheber seien für jede Leistung angemessen zu bezahlen. Die Piraten in Nordrhein-Westfalen würden das jedoch aufweichen wollen. Ginge es nach ihnen, würden Urheber beispielsweise für Veröffentlichungen in Pressespiegeln kein Honorar mehr bekommen. „Die konkreten Vorschläge, die bei den Piraten in der Diskussion sind, gehen in Richtung Gratiskultur. Sie gehen nicht in die Richtung, das Urheberrecht zu stärken.“ (js)

7. Oktober 2012Ostdeutscher Journalistentag

Investigative Journalisten mit Pförtnerjob

Ginzel, Datt, Kniestedt, Plonka, Engert. Foto: Simone Ahrend, Sah Photo

Investigativ-Ressorts sind in Mode, doch teuer. Und es bleibt die Angst, sich Ärger einzuhandeln oder Anzeigenkunden zu verlieren. Auf dem Ostdeutschen Journalistentag ging es um den Kampf gegen die Wahrheit und wer sich investigativen Journalismus noch leisten kann.

Sie dachten schon, sie seien paranoid. Doch dann drehte der BMW mit den abgedunkelten Scheiben, hielt an und vier kräftige Männer bauten sich vor Arndt Ginzel und Thomas Datt auf – Zivilfahnder vom Landeskriminalamt.

Die beiden freien Leipziger Journalisten recherchierten im sogenannten Sachsensumpf über mögliche Verstrickungen von hohen Amtsträgern in kriminelle Geschäfte und deren Verbindungen ins Rotlichtmilieu. Es sollte nicht lange dauern, bis Datt und Ginzel selber auf der Anklagebank sitzen. Vorwurf: Verleumdung.


Nicht selten passiert es jedoch, dass Journalisten zu kritischen Themen erst gar nicht berichten. Auf dem Ostdeutschen Journalistentag diskutierte eine von Carla Kniestedt moderierte Runde über den „Kampf gegen die Wahrheit“ und die Frage: Wer kann sich investigativen Journalismus noch leisten?


Thomas Datt gestand auf dem Podium: „Wir hatten zwar die absolute Freiheit, die Recherchen hätten aber nicht mehr lange so weiter gehen können. Sonst hätten wir nachts einen Pförtnerjob machen müssen.“Aber Datt und Ginzel sagten auch: „Wir würden die Recherchen, trotz Anklage gegen uns, wieder machen.“


Marcus Engert, Redaktionsleiter von detektor.fm, einem Internetradio Leipzig, sagte, im Radio sei es selten geworden, dass Grundrecherche gemacht würde. Auch im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk. „Es bezahlt einem keiner, einfach mal irgendwo hinzufahren und sich umzuhören.“ Und als freier Journalist sei auch irgendwann der Tag da, „an dem Du Dir ein Auto kaufen möchtest“. Ganz davon zu schweigen, wenn man eine Familie ernähren müsse.


Nina Plonka hat das Glück beim stern zu arbeiten, der sich ein Investigativ-Ressort leistet. Plonka ist der Auffassung, dass Teamleistung im investigativen Journalismus wichtig sei. „Wir nehmen es oft mit großen Apparaten auf. Also warum sollten wir nicht auch auf unserer Seite die Kompetenzen und Erfahrungen bündeln und die Stärken des Teams nutzen, um schwierige Sachverhalten zu recherchieren?“, fragte Plonka.


Arndt Ginzel bestätigte das: „Die PR-Maschinerie agiert immer versierter und professioneller und hat immer mehr Mittel zur Verfügung.“ Sein Kollege Datt bemängelt, dass die Experten in der Presse fehlen. „Ich habe viele Kollegen, die einfach nur die Seiten vollschrubben müssen. Aber auch beim Fernsehen berichtet man ungern über Themen, über die man kein endgültiges Urteil fällen kann. Dann heißt es: Naja, ist doch hypothetisch, da warten wir mal.“ Stattdessen würden viele normale Geschichten skandalisiert.


Kniestedt bemängte, oft seien Themen wie zum Beispiel der Berliner Flughafen kein Thema, dann ist plötzlich das Thema in den Medien und alle wollen davon gewusst haben. Ein Journalist aus dem Publikum sagte: „Wenn ich investigativ angehauchte Geschichten anbiete, höre ich oft: 'Ne, ist uns zu heikel.'“ (js)

15. Oktober 2012Ostdeutscher Journalistentag

"Unterschreiben Sie auf dem Hintern!"

Eveline Goodman-Hedtke bei ihrem Vortrag. Foto: Simone Ahrend, sah-photo.

Die „false friends“ kennt man noch aus der Schulzeit. Leider hält das Englische viele Fallstricke bereit. Eveline Goodman-Hedtke zeigte auf dem Ostdeutschen Journalistentag ein paar.

Was sich die englischsprachige Welt wohl denkt, wenn Deutschland mal wieder im Fußball-Taumel ist und Hunderttausende wenn nicht Millionen beim Public Viewing auf der Straße sind. Im Englischen heißt „public viewing“ Leichenschau.


Auf dem Ostdeutschen Journalistentag am 6. Oktober zeigte Sprachtrainerin Eveline Goodman-Hedtke einige böse Fallen, in die Deutsche geraten können. Und Fallen, so zeigte es die Sprachtrainerin für „English for Professionals“, gibt es viele.


Wenn beispielsweise ein deutscher Chef von einem etwas erwartet, ist klar, dass es eine Anweisung ist. Im Englischen hingegen bedeutet „to expect“ eher, dass der Vorgesetzte es nett fände, wenn beizeiten etwas erledigt wird. Auch mit der Übersetzung von „chef“ sollte man im Englischen aufpassen. „Chef“ heißt Koch. Und auch „chief“ sollte man nicht benutzen. Es heißt „Häuptling“.


Gefährlich sind zudem auf den ersten Blick scheinbar richtige Übersetzungen wie: „The fusion took place last month.“ Wenn nur „fusion“ nicht Kernschmelze bedeuten würde; „merge“ (verschmelzen) ist besser. Sehr heikel ist auch „to give a notice“ (jemanden fristgerecht kündigen).


Neu für etliche Teilnehmer des Vortrages war, was man sagt, wenn man ausdrücken möchte, dass man derjenige ist, nach dem am Telefon verlangt wird: Nicht „I am on the phone“ oder dergleichen, ein schlichtes „speaking“ reicht.


Überhaupt die Ansprache. Viele denken, im Englischen gäbe es kein „Du“ und „Sie“, doch so ganz stimmt das nicht. „Can I have“, ist zum Beispiel eine recht neutrale, umgangssprachliche Form, die man unter anderem beim Einkaufen benutzten kann. „May I have“ ist wiederum sehr formal, gesietzt, „could“ hingegen sehr ergeben, doch gleichzeitig weniger formal als „may“. Auch bei Fragen nach dem Befinden gibt es Unterschiede: „How do you do?“ ist förmlich, „how are you?“ gedutzt.


Solche Feinheiten nutzen jedoch wenig, wenn man Sätze sagt wie: „Sign on the backside!“. Die Rückseite ist jedoch „back“. Der Satz hingegen heißt übersetzt: „Unterschreiben Sie auf dem Hintern!“ (js)


Hinweis: Eveline Goodman-Hedtkes Seminarreihe beim DJV Berlin

6. Oktober 2012Ostdeutscher Journalistentag

Vier Zeitungen auf Journalistentag für Fotografen-Nennungen ausgezeichnet

Wäscheklammer-Namensschilder. Foto: Jan Söfjer

Der Erste Ostdeutsche Journalistentag mit 250 teilnehmenden Journalistinnen und Journalisten ist am Samstagabend mit Livemusik, Bier und Brezeln ausgeklungen.

Zu Beginn vergaben der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken und der DJV Berlin-Vorsitzende Bernd Lammel den Preis „Fotografen haben Namen“ an Bildredakteure der prämierten Zeitungen. Diese waren: Junge Welt (1. Platz), Neues Deutschland (2. Platz), Die Welt (3. Platz) sowie die Welt Kompakt (Sonderpreis). 


Sehen Sie ab Sonntagnachmittag Video-Statements und Fotos von Podiums-Gästen an dieser Stelle und lesen Sie ...




  • wie Michael Seidel, Chefredakteur des Nordkurier, in der Berichterstattung mit Rechtsradikalen umgeht.

  • welche Probleme Helmut Roewer, der ehemalige Präsident des Landesverfassungsschutzes Thüringen mit der Polizei hatte.

  • was die Sachsensumpf-Rechercheure Arndt Ginzel und Thomas Datt über investigativen Journalismus erzählen.

  • welche peinlichen Fehler Journalisten im Englischen vermeiden sollten.

  • was der DJV-Justiziar Benno Pöppelmann zu den Urheberrechtsideen der Piraten sagt und wie Google-Sprecher Ralf Bremer sein Unternehmen verteidigt.

5. Oktober 2012Tagung in Berlin

Erster Ostdeutscher Journalistentag hat begonnen

Namen der Gäste auf dem Podium siehe Facebook-Foto. Foto: J. Söfjer

Am Freitagabend hat der Erste Ostdeutsche Journalistentag in Berlin mit einer Vorabend-Diskussionsrunde begonnen. Im Französischen Dom debattierten Experten zum Thema "Barack Obama oder Mitt Romney - Was bedeutet das für den Rest der Welt". Morgen folgt im Haus des Rundfunks in der Masurenallee die Tagung. Mehr als 150 Journalistinnen und  Journalisten werden erwartet. Verfolgen Sie die Tagung hier, auf unserer Facebook-Seite und auf Twitter unter dem Tag #odjt2012.

RBB-Intendantin Dagmar Reim über den Journalistentag

"Was bewegt die Menschen in der Lausitz? Welche Trends entstehen gerade in Berlin-Neukölln? Worüber redet man diese Woche in Potsdam?

Seit fast zehn Jahren begleitet der rbb in seinen Programmen die Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Im Spannungsfeld von Stadt und Land, von Ost und West ist eine regionale Identität entstanden, die sich längst nicht mehr allein an Gegensätzen abarbeitet, sondern Gemeinsames betont.

Mehr von diesem Selbstverständnis wünsche ich mir für Ostdeutschland als wichtige Region in der Mitte Europas. Der 1. Ostdeutsche Journalistentag ist ein weiterer Schritt in diese Richtung."

Eine Veranstaltung der DJV-Landesverbände: Berlin, JVBB, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt